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MOBILE e.V. Herbst-Familienfreizeit auf Helgoland

01.11.2015 | Kategorie: Verein, | Autor: iris rau

 

"Inmitten von Hummern , Robben und Meer"
Ein Reisebericht von Iris Rau

Die traditionelle Herbstfreizeit führte 13 Familien in der ersten Ferienwoche auf Deutschlands einzige Hochseeinsel. Helgoland ist zugleich auch die kleinste deutsch Insel, so dass die Frage aufkam, was man denn eine Woche lang dort machen könnte. Skeptiker wurden jedoch schnell eines Besseren belehrt. Zum einen überraschte Helgoland mit einer Woche sehr guten Wetters, zum anderen hatte der „Reiseleiter“ Michael Wiedemann ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt.

Die Anreise mit der Fähre verlief sehr ruhig und auch das gefürchtete „Ausbooten“ entfiel zum Glück. Als Unterkunft war die Jugendherberge „Haus der Jugend“ an der Südspitze gewählt worden, der eigene Strand diente bei trockenem und meist sonnigem Wetter zum Drachensteigen, KUBB-spielen, lesen, Steine sammeln, Burgen bauen oder spazieren gehen. Auch die zugegebener Maßen überschaubare Insel birgt eine Fülle toller Eindrücke, seien es die spektakulären Felsklippen, die malerischen Hummerbuden am Hafen oder die vielen kleinen Geschäfte im Unter- und Oberland.

Nachdem am Sonntag die Insel auf eigene Faust erkundet werden konnte besuchte die Gruppe am Montag die Hummeraufzuchtstation der Biologischen Anstalt Helgoland, die bereits 1892 gegründet wurde. Sie ist seit 1998 unter dem Dach der Stiftung Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und damit in der Helmholtz-Gemeinschaft der Großforschungszentren. Sehr anschaulich erklärte einer der dort tätigen Meeresbiologen, wie das Leben eines Hummers und weiterer Meeresbewohner verläuft und sich im Laufe der Zeit verändert. Durch die spezielle geologische Beschaffenheit Helgolands (Felseninsel) ist hier der einzig mögliche Lebensraum für Hummer in Deutschland. In der Züchtungshalle der Biologischen Anstalt werden die kleinen Hummer vom Ei an bis zu einem Alter von 1 Jahr aufgezogen, anschließend markiert und auf dem Helgoländer Felssockel im Sommer ausgewildert. Die Junghummer haben dann eine Gesamtlänge von ca. 4 cm. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Auswilderung von Tieren dieser Größe gute Überlebens- und Entwicklungsbedingungen im Freiland vorfinden.

Am nächsten Tag stand bei strahlendem Sonnenschein der Besuch der „Düne“ – einer rund einen Kilometer von der Hauptinsel entfernten Badedüne an. Ursprünglich mit der Hauptinsel verbunden, riss eine Sturmflut 1721 sie auseinander. Diese bleibt vom Tagestourismus fast unberührt und stellt ein Paradies für Sonnenanbeter, Fossiliensammler und Urlauber dar, die Ruhe und Kontakt zur Natur suchen. Es gibt die unterschiedlichsten Versteinerungen und den roten Feuerstein gibt es nur auf Helgoland. Unser naturkundlicher Rundweg führte uns zu den interessantesten und schönsten Plätzen der Düne. Der Führer vom ‚Verein Jordsand zu Schutze der Seevögel e. V.‘ ging selbstverständlich ausführlich auf die interessanteste Dünenattraktion ein: die dort lebenden Kegelrobben und Seehunde. Bis auf 30 Meter kann man sich diesen Raubtieren nähern, da sie hier an Menschen gewöhnt sind.

Mittwochabend stand dann ein weiteres Highlight an: der Besuch der Reste des Luftschutzbunkers aus dem 2. Weltkrieg. Im Dritten wurde Helgoland zur Seefestung ausgebaut. Auf der Insel befanden sich Flakstellungen, ein Flakleitturm und Beobachtungsstände und andere Kleinschutzbauten. Auch ein U-Boot-Bunker war vorhanden. Ein ziviler Luftschutzbunker, der durch ein ausgedehntes Luftschutzstollensystem bestand, war mit einer großen Raumanlage (Baujahr ab 1936) verbunden. Durch mehrere Luftangriffe wurde ein Großteil der Wohnhäuser zerstört. Der stärkste Angriff fand mit etwa 1000 Flugzeugen der Royal Air Force am 18./19. April 1945 statt. 285 Menschen kamen bei dem Angriff ums Leben. Unmittelbar nach dem Angriff wurden die Helgoländer evakuiert. Ein Großteil der Bunkeranlagen wurde bei der größten nicht-nuklearen Sprengung (Big Bang) der Geschichte mit 6700 Tonnen TNT zerstört. Unser Führer erklärte, dass im Gegensatz zu allgemeinen Äußerungen, die Insel nicht von den Engländern zerstört werden sollte, sondern sehr gezielt die militärischen Anlagen gesprengt wurden. Bei der Führung durch die noch vorhandenen Stollen stellte sich eine leichte Beklommenheit bei dem Gedanken an die Geschichte ein, die interessante, mit der eigenen Familiengeschichte verwobene, Führung machte alles wett.

Der nächste Besuchstermin stand wieder im Zeichen der Natur – die Vogelwarte Helgoland. Vor allem im Frühjahr und im Herbst ist Helgoland Rastplatz für Zigtausende von Zugvögeln. Sie werden von den Mitarbeitern der "Vogelwarte Helgoland" abgefangen, beringt, vermessen, gewogen und auf die Weiterreise geschickt. Zu diesem Zweck dient die weltweit zum Einsatz kommende und patentierte „Helgoländer Trichterreuse“ in der die Vogelarten verletzungsfrei gefangen werden. Am Beispiel von 3 lebendigen Vögeln erklärte uns ein ehrenamtlicher Vogelwart, wie Alter, Geschlecht und Beschaffenheit eines Vogels zu bestimmen sind.

Am letzten Tag gab es noch ein Schmankerl für Technikliebhaber. Der Besuch des auf Helgoland stationierten Seenotrettungskreuzers. Normalerweise ist hier die ‚Herrmann Marwede‘, mit 46 Metern das größte Schiff der Flotte, stationiert. Aufgrund von Wartungsarbeiten versieht momentan jedoch die ‚Harro Koebke‘ aus Sassnitz ihren Dienst auf Helgoland. Während einer kurzweiligen Führung durch dieses erst 3 Jahre alte Schiff erklärten uns der Vormann und ein weiteres Mitglied der Besatzung die Arbeit der Seenotretter. Im Leitstand des Schiffes fühlte man sich an ein Flugzeugcockpit erinnert, ohne die neueste Technik wäre die Arbeit heutzutage nicht möglich. Eine Krankenstation mit der Ausrüstung eines Rettungswagens ermöglicht die Notfallversorgung bis der/die Verletzte/n im Krankenhaus behandelt werden können. Eine Besonderheit aller Seenotrettungskreuzer ist das Durchkentern im Notfall, bedeutet: selbst wenn das Schiff während eines Einsatzes bei schwerer See kentern sollte, ist es in der Lage sich selbständig wieder aufzurichten. Da die Schiffe der DGzRS e.V. jederzeit auslaufen, wenn Hilfe gefragt ist, eine notwendige Sache. Bemerkenswert auch die Tatsache, dass ich dieser Verein nur durch Spenden finanziert. Es geht immerhin um ein Jahresbudget von 30 Mio. €.

Leider ging es gefühlt viel zu früh wieder Richtung Festland, dieses Mal auch etwas unruhiger. Die Woche hat allen Mitreisenden sehr gut gefallen und hat bestehende und neue Freundschaften vertieft. Im nächsten Jahr geht es wieder auf Städtetrip – dieses Mal mit dem Ziel Hamburg.

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